Wer ein digitales Betriebssystem für die Gesellschaft bauen will, kann das nicht alleine tun. Nicht weil die Technologie es nicht hergibt – sondern weil gesellschaftliche Infrastruktur Legitimation braucht: von der Wissenschaft, die sie methodisch absichert. Von der Verwaltung, die sie anwendet. Von der Wirtschaft, die auf ihr aufbaut. Von der Rechtsgemeinschaft, die ihr vertraut. Und von einer Öffentlichkeit, die versteht, warum sie zählt.
Das ist die Geschichte hinter den Bestrebungen/Aktivitäten von Rulemapping im in den vergangenen Monaten. Ziel war der systematische Aufbau einer Koalition – eine Stakeholdergruppe nach der anderen, in ihren eigenen Räumen, mit ihren eigenen Fragen. Und jede dieser Begegnungen hat Law as Code ein Stück näher an das gebracht, was es werden soll: Die methodische Grundlage des Ökosystems für digitalisiertes Recht.
Die Wissenschaft: Methode braucht akademische Verankerung
Eine Methode, die den Anspruch stellt, Recht in seiner vollen Komplexität maschinenlesbar zu machen, muss sich an den härtesten Fällen messen lassen. Das deutsche Steuerrecht gehört dazu. Deshalb war die Einladung zur LMUDigiTax-Konferenz an der Ludwig-Maximilians-Universität München – dem führenden akademischen Forum zur Digitalisierung im Steuerrecht – mehr als ein Vortrag. Es war die Gelegenheit, im anspruchsvollsten Fachpublikum zu zeigen, dass Rulemapping nicht beim Einfachen aufhört.
Dr. Tilo Wendt brachte keine Theorie mit nach München. Er präsentierte ein abgeschlossenes Pilotprojekt: gemeinsam mit dem Bundesministerium der Finanzen hatte Rulemapping §39b EStG – das Lohnsteuerabzugsverfahren mit seiner vielstufigen Berechnungslogik – in maschinenlesbare Entscheidungslogik überführt und mit über dreitausend automatisierten Testfällen validiert. In der anschließenden Diskussionsrunde zum Block „Update: Digitaltaugliche Gesetzgebung" wurde klar, dass die Frage in der Wissenschaft nicht mehr lautet, ob Law as Code im Steuerrecht funktioniert – sondern wie es skaliert. Die akademische Koalition wächst.
Die Verwaltung: Praxis braucht Partner, keine Präsentationen
Wissenschaftliche Legitimation ist eine Sache. Verwaltungspraxis ist eine andere. Beim 12. Zukunftskongress Staat & Verwaltung im bcc Berlin – mit über zweitausend Fachbesucherinnen und Fachbesuchern die Leitveranstaltung für Verwaltungsmodernisierung im deutschsprachigen Raum – ging es nicht um Überzeugungsarbeit, sondern um etwas Handfesteres: zu zeigen, dass Law as Code in bestehende Systemlandschaften integrierbar ist.
Dr. Dirk Woywod gestaltete gemeinsam mit Markus Dillmann von ServiceNow einen Best-Practice-Dialog zur Entscheidungsautomation in komplexen Ende-zu-Ende-Prozessen. Das Format setzt auf Fragen aus der Praxis statt auf fertige Antworten – und genau das spiegelt die Realität wider, in der Verwaltungen arbeiten: mit gewachsenen IT-Strukturen, begrenzten Ressourcen und dem Druck, schnell liefern zu müssen. Die Botschaft: Rulemapping muss kein Ersatz sein, sondern ein Baustein. Dr. Woywod vertiefte diese Verbindung wenige Wochen später beim ServiceNow Public Sector Summit in Berlin, wo er vor Entscheiderinnen und Entscheidern der öffentlichen Verwaltung die konkrete Architektur dieser Integration darstellte.
Am eigenen Stand (B029) beim Zukunftskongress wurde aus Theorie Gespräch: direkte Begegnung mit Menschen, die täglich mit den Problemen kämpfen, die Law as Code löst. Kein Format schlägt das.
Der Markt: Selektion ist Aussage
Der dritte Kreis der Koalition ist der GovTech-Markt selbst: Startups, Investoren, kommunale Beschaffer. Hier zählt nicht, was man über sich sagt, sondern ob andere einen auswählen.
Bei der GovTech Expo des Bitkom am 17. Juni pitchte Nino Küntzel für Rulemapping – als eines von zwanzig ausgewählten Startups aus einem deutlich größeren Bewerberfeld. Das kurierte Format richtet sich gezielt an kommunale und Landesvertreterinnen und -vertreter.
Ein weiteres Highlight: myGovernment 2026 am 9. Juli im Munich Urban Colab. Eine Jury um Prof. Gerhard Hammerschmid wählte vier Startups aus dem gesamten deutschsprachigen GovTech-Feld aus. Benjamin Meyer pitchte für Rulemapping – neben Verwaltungscloud.SH, kibaudi und GovRadar – vor rund hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern, darunter Entscheider aus Verwaltung und Politik. Das Grußwort sprach der bayerische Justizminister Georg Eisenreich. Was diese Selektion sagt: Rulemapping gehört zu den Lösungen, auf die der Markt wartet.
Die Rechtsgemeinschaft: Infrastruktur braucht Vertrauen
Law as Code berührt eine Frage, die über Technologie weit hinausgeht: Wem gehört die digitale Infrastruktur des Rechts? Wer setzt die Standards? Wer haftet für Fehler? Das sind keine technischen Fragen – das sind Fragen der juristischen Zunft. Deshalb war der Liquid Legal Summit 2026 bei Deloitte Legal in Düsseldorf eine strategisch wichtige Bühne. Max Senges saß auf der Main Stage im Panel „The Sovereignty Talk" gemeinsam mit Matthias Schmid vom BMDS, Paula Reichenberg, Jürgen Erbeldinger und Birgit Hess, moderiert von Martin Clemm. Die Antwort, die Rulemapping in diese Diskussion einbrachte: offene Standards, offene Werkzeuge, staatliche Governance-Verantwortung. Kein Lock-in, keine Black Box. Eine Infrastruktur, der Juristen vertrauen können, weil sie prüfbar ist.
Die Öffentlichkeit: Eine Infrastruktur, die erklärt werden muss
Die letzte und vielleicht unterschätzteste Gruppe in dieser Koalition ist die breite Öffentlichkeit. Law as Code betrifft alle – aber es spricht bisher vor allem Fachleute an. Das zu ändern ist keine Kommunikationsaufgabe. Es ist eine demokratische Notwendigkeit: Wer eine Infrastruktur für den Rechtsstaat baut, muss erklären können, was er tut und warum.
Innokenty Burshteyn hat das im Re:Form-Newsletter von ProjectTogether am 25. Juni getan. Sein Beitrag „Was wäre, wenn unsere Gesetze maschinenlesbar wären?" erklärt Law as Code und die Rulemapping-Methode für eine Leserschaft jenseits der GovTech-Bubble – und macht anhand der Pilotprojekte zur Lohnsteuer, zu Baugenehmigungen in Thüringen und zu Windkraftgenehmigungen im Landkreis Neckar-Odenwald greifbar, was auf dem Spiel steht. Nicht als technische Übung, sondern als Versprechen an die Menschen, die täglich mit zu langsamen, zu undurchsichtigen Verwaltungsprozessen kämpfen.
Die Koalition wächst weiter
Diese Arbeit ist nicht abgeschlossen. Ende September ist Rulemapping beim ITOF 2026 der Sächsischen Staatskanzlei in Dresden vertreten – der zentralen Fachkonferenz für Verwaltungsdigitalisierung in Sachsen, für die Rulemapping als Startup-Stand ausgewählt wurde. Im Oktober folgt die Smart Country Convention in der Messe Berlin, das wichtigste Forum für die Digitalisierung von Staat und Verwaltung in Deutschland. Rulemapping ist mit einem eigenen Stand im hub27, Stand 210, vor Ort.
Den vielleicht inhaltlich dichtesten Auftritt des Herbstes bringt die NEGZ-Herbsttagung 2026 des Nationalen E-Government Kompetenzzentrums. Rulemapping gestaltet dort gemeinsam mit Dr. Dirk Woywod, Prof. Dr. Max Senges und Innokenty Burshteyn eine eigene Session: „Law as Code in der Praxis: Vom Regelwerk zur ausführbaren Entscheidungsstruktur." Das Format ist bewusst anders als ein Vortrag: Nach einer kurzen Einführung teilt sich die Gruppe in zwei parallele Tracks. Im Track „Law-Coding" modellieren die Teilnehmenden am eigenen Laptop ein Beispielregelwerk Schritt für Schritt in eine ausführbare Prüfstruktur. Im Track „Standards und Ökosystem" wird diskutiert, welche Standards, Schnittstellen und Akteure es für maschinenlesbares Recht in der Verwaltung braucht. Am Ende trägt das Plenum die Ergebnisse zusammen.
Dieses Format ist kein Zufall – es spiegelt die beiden Ebenen wider, auf denen sich eine Koalition für Law as Code aufbaut: die praktische Befähigung derer, die Regeln modellieren, und die strategische Verständigung derer, die Governance und Standards gestalten. Beides braucht es. Beides passiert hier.
Eine Infrastruktur baut man nicht allein. Aber man fängt damit an, die richtigen Gespräche zu führen – und dann die richtigen Werkzeuge in die richtigen Hände zu geben. Das ist es, was dieser Herbst bringt. Werden Sie Teil dieser Koalition – auf law-as-code.org.

